Schweden

 

Ein Semester im hohen Norden…

Allgemeines

Die Partner-Uni von Würzburg in Schweden ist Umea. Die Stadt liegt etwa 20 km vom Bottnischen Meerbusen entfernt und gute 800 km nördlich von Stockholm. Wer also Sonne und Strand und Stierkampf im Sinn hat, dachte wohl eher an Spanien.
Doch nun zurück nach Schweden.

Umea im Winter Typisches schwedisches Haus High Coast

Vor dem Start

Das International Office der Universität ist äußerst gut organisiert. Auf der Seite der Unit steht der Kurskatalog aus dem man sich munter passende Kurse aussuchen kann.
Die Kurse sind in die 3 Kategorien A, B und C eingeteilt, wobei A ein “beginners course”, B ein “advanced course” und C eine “Thesis” ist. ECTS Punkte sowie die Voraussetzungen für die einzelnen Kurse stehen ebenfalls auf der Seite.
Nach der Bewerbung für die Kurse bekommt man einen “Letter of Acceptance” und noch viele andere Zettel zugeschickt. Der “Letter of Acceptance” ist auch für die Registrierung als EU Bürger in Schweden selbst wieder von Bedeutung.
Unter den Zettelen befindet sich auch eine Anmeldung für das “Mentorenprogramm” des IOs. Eine Anmeldung empfehle ich jedem, da man viele Leute kennen lernt und auch eine Flut an nützlichen Infos erhält.

Leben und Wohnen

Etwas gewöhnungsbedürftig an Umea und an Schweden im Allgemeinen ist, dass die zweitwichtigste Sprache nach Englisch, nicht etwa Schwedisch, sondern Deutsch ist. Wer also zu der Sorte Mensch gehört, der seine Landsleute im Ausland auf keinen Fall sehen will, der sollte Schweden meiden. Wie es in anderen Ländern aussieht, kann ich natürlich nicht sagen.
Sehr angenehm in Umea ist, dass die Wohnungen von der Uni zur Verfügung gestellt werden. Eine aufwändige Zimmersuche entfällt also. Es gibt zwei große Wohnanlagen in Umea, Alidhem und Mariehem. Die Zimmer sind recht groß und jeder hat sein eigenes Bad. Die Küche teilt man sich mit seinen Korridorkollegen. Die Verteilungskämpfe um die Kühlschrankfächer werden immer am Anfang des Semesters ausgetragen. Die Küchen sind groß und meist ist soviel “Common Stuff” da, dass man kein oder kaum eigene Küchenutensilien braucht. Sauberkeit hängt wie immer, von einem selbst und den Mitbewohnern ab.
Für das Leben im Korridor ist es äußerst hilfreich, wenn man Schwedisch spricht. Alle Schweden sprechen zwar ein verdammt gutes Englisch (selbst der Handwerker der einen morgens um 7.00 Uhr aus dem Bett wirft), setzen dieses Wissen aber nur ein, wenn es unbedingt sein muss. (-; Sobald mehr als ein Schwede anwesend ist, wird meist Schwedisch gesprochen.
Doch wie kommt man nun zu seiner Wohnung?
Nach der Ankunft am Flughafen Umea fährt man mit dem Flygbus (Flughafenbus) bis zur Uni, wo man im International Office seinen Schlüssel in Empfang nehmen kann. Danach auf zur Wohnung, entweder nach Alidhem (kann man locker Laufen) oder nach Mariehem (da empfiehlt sich doch der Bus). In beidem Wohngebieten gibt es einen kleineren Supermarkt (ICA bzw. Konsum) in dem man alles nötige bekommt. Diese Supermärkte sind etwas teurer als die großen am Stadtrand, aber dafür zu Fuß zu erreichen.
Da man aber früher oder später auch mal weiter weg muss, sollte man sich baldmöglichst ein Zweirad besorgen. Fahrräder werden meist von ehemaligen International Students verkauft und kosten zwischen 400 und 700 Kronen. Da kommt es auf das eigene Verhandlungsgeschick an und wie schnell man sich darum kümmert.

Internationals An Midsommar

Die Uni und das Kurssystem

Das Kurssystem ist etwas anders aufgebaut als bei uns in Deutschland. Kurse finden immer im Block statt. Zu einer bestimmten Zeit hat man also immer nur ein, maximal zwei Fächer mit den man sich dann Tag ein Tag aus beschäftigt. Inzwischen hat die Uni in der Bewertung komplett auf ECTS umgestellt. Praktika sind natürlich auch möglich und werden je nach Zeitaufwand mit den entsprechenden ECTS Punkten bewertet.
Ich habe während meines einjährigen Aufenthaltes in Umea meine zwei F-Praktika, sowie einen Neurobiology und Molecular Genetics Course besucht. Darüber hinaus habe ich noch die Kurse Schwedisch I-III absolviert, was ich nur jedem, der noch kein Schwedisch spricht, empfehlen kann. Ein ebenfalls angebotenes “Tandem Programm” ist allerdings Glückssache. Entweder man versteht sich mit seinem Partner oder eben nicht…
Zu den Kursen lässt sich sagen, dass Sie sehr umfangreich sind, da sie sowohl Theorie als auch Praxis abdecken. Neben reinem Fachwissen werden auch Präsentationen, Paper und Anträge (allerdings nur für schwedische Mittel) schreiben geübt und fließen in die Kursbewertung mit ein. Alle Professoren und Betreuer stehen jederzeit für Fragen zu Verfügung und sind hoch motiviert. Der Umgangston ist sehr kollegial.
Kurz gesagt, hier wird die Lehre nicht nur als Belastung empfunden!
Meine beiden F-Praktika habe ich dann in zwei verschiedenen Arbeitsgruppen gemacht.
In beiden war das Arbeitsklima hervorragend und es hat einfach Spaß gemacht mit den Leuten zu arbeiten. Ob ich nun Hilfe auf der Post beim Rücktransport meiner Habseligkeiten oder bei sonst etwas gebraucht habe, es hat sich immer jemand gefunden, der einem geholfen hat. Was soziale Aktivitäten des Departments angeht, und wie demokratisch über viele Belange entschieden wurde war interessant zu sehen.
Das wichtigste Wort im schwedischen Alltag ist aber sicherlich “Fika”. Das Wort hat nichts mit einem ähnlich klingenden deutschen Wort zu tun sondern bezeichnet eine Kaffeepause mit kleinem Snack. Eine “Fika” kann zu jeder Tages und Nachtzeit stattfinden, für gewöhnlich gibt es aber eine am Vormittag und eine am Nachmittag.
Ich könnte nach vieles Weitere erzählen, aber es soll ja auch für euch noch spannend bleiben.
Wer mehr wissen möchte kann mir gerne eine Mail schreiben (siehe Kontakt).

Tage, Nächte, Freizeit

Abschließend noch ein paar Informationen über das Studium hinaus.
Da man in Umea fast auf Höhe des Polarkreises ist, variiert die Tageslänge im Verlauf eines Jahres extrem. Wenn man im Winter mit 4 Stunden Tageslicht auskommen muss, hat man im Sommer das Entgegengesetzte Problem. Die Sonne verschwindet zwar noch für ein paar Stunden hinter dem Horizont, allerdings nur so knapp, dass eine helle Dämmerung herrscht. Ab 2.00 Uhr geht sie dann auch schon wieder auf.
Sowohl die Dunkelheit, als auch die Helligkeit können einen ziemlich aus dem Gleichgewicht bringen. Dafür ergeben sich sowohl im Winter als auch im Sommer ungeahnte Freizeitmöglichkeiten. Wer schon einmal soweit im Norden ist, sollte das auf jeden Fall ausnutzen. Hier ein paar Tipps:

Winter
⇒ Besichtigung des Eishotels bei Kiruna
⇒ Norwegische Fjorde im Winter
⇒ Skitour durch das Fjäll von Hütte zu Hütte
⇒ Telemarkskifahren im skandinavischen Powder
⇒ Eishockeyspiele der Björk Löven in der SkyCom Arena
⇒ Eislaufen in Umea
⇒ Eisschollen auf der zugefrorenen Ostsee beobachten

Schwedische Schlittenhunde Ein Hotel im Eis Schöne Panoramen - auch in Norwegen
Sommer
⇒ Tour nach Norwegen auf die Lofoten
⇒ Angeln an einem der tausenden Seen
⇒ Fjäll-Wandern (Allein oder in der Gruppe, einen oder mehrere Tage)
Auch das IO bietet verschieden Trips für International Students an. Erfahrungsgemäß sind diese Ausflüge aber unverhältnismäßig teuer und man ist immer nur in einer riesigen Horde fotografierender Studenten unterwegs.
Die verschiedenen Ausfahrten des Sportzentrums (IKSU) sind auf jeden Fall lohnender. Von Skifahren über wandern ist für jeden was dabei. Ganz billig ist es aber auch nicht. Dafür kann Material preisgünstig geliehen werden.
Was Transport und ähnliche Kleinigkeiten angeht noch ein paar nützliche Websites.
⇒ Für den Zug: www.bokatag.se
⇒ Günstige Inlandsflüge: www.sas.se (nur auf der .se Seite gibt’s Studentenpreise)
Oder: www.norwegian.se
⇒ Gepäck zurück nach Deutschland: Mit der Spedition Schenker an eine deutsche Geschäftsadresse sind auch Umzugskartons bezahlbar. Wichtig! Nur an Geschäftsadressen!!
⇒ Spiele der Eishockeymannschaft: www.bjorkloven.com
⇒ Das Wetter in Umea: www.tfe.umu.se
⇒ Oder für ganz Skandinavien: www.smhi.se

Alles in Allem kann ich nur jedem empfehlen möglichst viel aus der Zeit im Ausland zu machen und so viel wie möglich zu unternehmen. Labore gibt es auch in Deutschland! Wie schon erwähnt…sollte es Fragen geben einfach eine Mail schreiben.

Oliver Simon
Lecker Muscheln Grüße aus Schweden

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